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Tabuthema: Sexueller Missbrauch in Reitställen

Gastbeitrag von Pferdekult.de

Sexueller Missbrauch – Überwiegend sind Mädchen betroffen

Ein Thema, über das nicht gerne geredet wird, ist sexueller Missbrauch. So traurig es ist, findet dieser in allen Bereichen des Lebens statt, macht sogar vor kirchlichen Einrichtungen nicht halt und ist auch im Reitsport genauso häufig zu finden wie in allen anderen Bereichen der Gesellschaft. Vor einiger Zeit berichtete das WDR Fernsehen im Rahmen von Sport im Westen über“Sexueller Missbrauch im Reitsport“.

Häufig betroffen von Belästigung oder gar sexueller Gewalt im Reitsport sind junge Mädchen. Mehr als 200.000 von ihnen sind in Deutschland in einem Reitverein organisiert. Sie alle vereint die Liebe zum Pferd und der Reitstall ist für sie ein wichtiges soziales Umfeld, oft sogar ihre zweite Heimat. Potenzielle Täter nutzen dies schamlos aus und bieten den Mädchen z.B. Extra-Reitunterricht, besondere Unternehmungen mit dem Tier oder das Reiten spezieller Pferde.

Dafür erwarten die Täter manchmal eine Gegenleistung – diese reicht von Körperkontakt bis hin zum Geschlechtsverkehr. So beginnt nicht selten ein Kreislauf der Abhängigkeit und die Betroffenen müssen sich zum Schweigen verpflichten. Dazu wird damit gedroht, dass wenn der Missbrauch ans Licht käme, das Kind alles verlieren würde, Freunde, Pferde und sein zweites zu Hause, den Reitstall.

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Der 20-minütige Film des WDR berichtet von genau so einem Fall: Ein Reitlehrer wurde im Mai zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilt, weil er eine 13-jährige Reitschülerin sexuell missbraucht hatte. Der Mann war mehr als 30 Jahre älter als das Kind und hat die Taten weitgehend gestanden. Der Film lässt Betroffene zu Wort kommen und zeigt Strukturen auf, die es Tätern gegebenenfalls leicht machen, mit möglichen Opfern in Kontakt zu kommen.

Die Mutter einer Betroffenen schildert z.B., dass nicht nur die Kinder selbst traumatisiert sind, sondern sich zudem das Familienleben von einem auf den anderen Tag komplett verändern kann. Das beweist auch die Ende 2016 veröffentlichte Studie „Safe Sport“. Sie hat erstmals das Ausmaß sexualisierter Gewalt im Leistungssport beleuchtet und kommt zu dem Ergebnis, dass sexueller Missbrauch im Sport genauso häufig wie in allen anderen Bereichen der Gesellschaft vorkommt.

Demnach haben einer von neun Athleten schwere oder auch länger andauernde sexualisierte Gewalt bis hin zum Geschlechtsverkehr erlebt – Mädchen sind davon häufiger betroffen als Jungen. Wenn man diese Zahl auf die 200.000 Mädchen, die in Reitvereinen eher Breitensport betreiben überträgt, würde das bedeuten: 10.000 Mädchen in deutschen Reitvereinen könnten sexualisierte Gewalt erfahren haben.

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung hat das Problem erkannt und ein umfangreiches Präventionskonzept erstellt. In der Trainerausbildung und auch der Satzung ist Kinderschutz bereits fester Bestandteil. Wer sich nicht daran hält, fliegt aus dem Verband. Bei der FN kümmern sich drei Mitarbeiterinnen um das Thema und es gibt auch eine anonyme Hotline, aber leider mangelt es an der Basis noch weitgehend an Problembewusstsein. Um möglichen weiteren Taten vorzubeugen, sollte daher auf jeden Fall immer eine Anzeige erstattet werden.

Quelle: WDR Westdeutscher Rundfunk

Über den Autor: Dietmar Gerwers steckt hinter der Seite „Pferdekult“. Hier berichtet er über wissenswerte Themen rund ums Pferd. Pferdekult entstand ursprüglich unter dem Namen Hobbyranch.de mit dem Ziel, der Offenstallhaltung von Dietmar Gerwers eine Plattform zu geben, indem er über das Geschehen der kleinen Hobbyranch zu berichten. Mittlerweile erfreuen sich zahlreiche Leser an seinen Erfahungswerte sowie Tipps und Tricks rund um die Pferdehaltung. Schaut doch mal bei Pferdekult vorbei!

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