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#MyStory Vom Schlachtpferd zum Traumpferd

 In unserer Rubrik #MyStory veröffentlichen wir Eure Geschichten, unzensiert und ungefiltert!  Ob Anonym oder mit Namen, ob besonders schön oder traurig. Oder argert dich etwas richtig und du möchtest zum Nachdenken anregen? Wir freuen uns über Eure Einsendungen mit dem Betreff #MyStory an redaktion@horse-flash.com

Vom Schlacht- zum Traumpferd

Seitdem ich mich erinnern kann, verbringe ich so gut wie jede freie Minute auf dem Rücken eines Pferdes. Ich habe sehr großes Glück, denn da meine Mama Tierärztin ist, hatte ich immer gute Möglichkeiten, meinem Hobby nachzugehen. So durfte ich auch das Islandpferd einer Patientin meiner Mutter reiten. Dieses Islandpferd stand mit einer Herde Friesen auf der Weide.
Ich denke Friesen stellen für jedes kleine Mädchen, wie ich es damals war, mit ihren langen Mähnen und dem rabenschwarzen Fell, das absolute Traumpferd dar. So war es für mich jeden Tag, an dem ich das Pony besuchte, das absolute Highlight, wenn ich diesen „Prinzessinnenpferden“ eine Möhre zustecken durfte. Eines Tages bekam eine der Stuten auf der Weide ein Fohlen: Nantje. Ich konnte Stunden damit verbringen, diesem zuckersüßen und wunderhübschen Babypferd dabei zuzugucken, wie es die Welt erkundete und über die Weide tollte.
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Antonia mit ihrer Nantje

Ein folgenschwerer Unfall 

Als Nantje ein Jahr alt war, passierte dann das furchtbare: Als sie sich auf der Weide, welche mit Stacheldraht eingezäunt war, wälzte, blieb sie mit ihrem rechten Hinterbein im Zaun hängen. Die Folge: Beinahe sämtliche Sehnen und Bänder im Fesselbereich waren durchtrennt. Der Heilungsprozess war langwierig. Fast ein halbes Jahr musste Nantje in der Box stehen, durfte das Bein keinesfalls belasten. Dies führte jedoch zu einem weiteren, viel größeren Problem: Durch die ständige Entlastung des rechten Hinterbeines, wurde das linke dauerhaft überbelastet. Hierdurch bildete sich eine starke Arthrose, die sie in ihrer Bewegung stark einschränkte. Ihr damaliger Tierarzt gab ihr eine Lebenserwartung von fünf Jahren und erklärte sie für unreitbar. Für ihre damaligen Besitzer galt sie somit als wertlos. Sie beschlossen, sie, falls sich kein Interessent für sie finden würde, zum Schlachter zu geben. Aber welcher Mensch entscheidet sich schon für ein nicht reitbares Pferd mit unterschriebenen Todesurteil? Unter Tränen flehte ich meine Mutter an, dass wir Nantje doch übernehmen könnten. Wie bereits erwähnt, ist sie Tierärztin und hat daher ein sehr großes Herz für Tiere in Not. Da auch sie Nantje schon von Geburt an kannte, war sie nicht in der Lage, Nantje ihrem Schicksal zu überlassen. So kam Nantje zu uns.

Die ersten Jahre

Am 21.06.2006 zog Nantje bei uns ein. Zu diesem Zeitpunkt war sie zwei und ich war sieben. Ich verbrachte viel Zeit bei ihr. Meine Mutter beschaffte Zusatzpräperate, die Nantjes Gelenke unterstützten. Wie durch ein Wunder gelang es uns, dass sich ihre Arthrose nicht weiter verschlimmerte. Sie war von Anfang an so artig und man merkte förmlich, wie dankbar sie war, eine Chance bekommen zu haben. Ich konnte mit ihr stundenlang spazieren gehen und sogar mit Halfter und Strick mit ihr ausreiten. Schließlich entschlossen wir uns dazu, ein Fohlen mit ihr zu ziehen. Nach großem Zittern gelang es uns tatsächlich, dass Nantje ins Zuchtbuch eingetragen wurde. Wir suchten einen Hengst und Nantjewurde trächtig. Nach langen elf Monaten war es am 04.04.2009 endlich soweit: Das Fohlen, Hoopje, kam zur Welt. Nantje vertraute uns mittlerweile so sehr, dass wir bei der Geburt dabei sein konnten. Nantje blühte förmlich auf in ihrem neuen Leben als Mutter, war eine richtige Übermutti und ließ ihre Tochter keinen Moment aus den Augen. Hoopje war genau so hübsch wie ihre Mami, nur dass sie einen weißen Stern auf der Stirn hatte. Wir fuhren mit ihr zur Zuchtschau und die kleine Maus wurde als viertbestes Fohlen ihres Jahrganges ausgezeichnet. Da Nantjedie Mutterrolle so gut bekam, beschlossen wir, noch ein Fohlen mit ihr zu bekommen. Zwei Jahre später, am 25.04.2011, bekam sie dann ihre zweite Tochter, Jette. Jette war ebenso hübsch wie Hoopje, nur um einiges frecher. Mit ihrer großen Schwester tollte sie ausgelassen über die Weide und büxte auch regelmäßig aus, um die Stallgasse unsicher zu machen. Nachdem wir sie wieder eingefangen hatten, wurde sie dann von Nantje jedesmal zurück in ihre Schranken gewiesen, was ihr allerdings keinesfalls die Flausen aus dem Kopf trieb.
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Die Supermutti

Es geht voran

Nachdem wir Jette absetzten, beschloss ich zu versuchen, Nantje richtig zu reiten. Wir fingen klein an. Da Nantje noch nie richtig in ihrem Leben gearbeitet wurde, begann ich damit, sie täglich zu longieren, um Muskeln aufzubauen. Schließlich war die Zeit gekommen, aufzusitzen. Die ersten Reitversuche waren etwas wackelig, aber wie erwartet war Nantje ein Engel und ließ sich auf alles ein, was ich für sie parat hatte. Auch wenn ihr Taktfehler unverkennbar war, stellten wir mit Freude fest, dass ihre Arthrose sie auch beim Reiten kaum beeinträchtigte. Das einzige, was ihr schwer fiel, war Linksgalopp. Außerdem war ich auch immer darauf bedacht, nicht zu lange mit ihr zu arbeiten, aus Angst davor, das Bein doch überzubelasten.
Eine Sache, die wir besonders für uns entdeckten, war das Ausreiten. Ganz egal ob wir mit Freunden zur Alster ritten oder abends nur eine entspannte Runde um die Galoppbahn gingen – im Gelände fühlten wir uns immer wohl. Wir fuhren sogar ein Wochenende mit Freunden in die Heide, nur um neue Reitwege erkunden zu können.
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Ein Dreamteam

Der Rückschlag

Im Sommer 2013 kam dann der Schock: Als Nantje eines Tages von der Weide kam, konnte sie ihr rechtes Hinterbein nicht mehr aufsetzen. Bis heute wissen wir nicht, was genau passiert ist. Wir vermuten, dass sie entweder getreten wurde oder umgeknickt ist, aber das werden wir nie genau erfahren. Wir riefen Nantjes Tierarzt und sie bekam Schmerzmittel und eine Spritze ins Gelenk.
Doch ihr ging es nicht besser, eher im Gegenteil. Nach wochenlanger Boxenruhe, ließen wir schließlich ihr Bein röntgen. Das Ergebnis was ernüchternd. Innerhalb der paar Wochen nach dem Unfall hatte sich die Arthrose an ihrem Fesselgelenk stärker verschlimmert, als in den gesamten Jahren zuvor. Der Tierarzt sagte uns, dass er nichts mehr für sie tun könne und wollte sie noch am selben Tag einschläfern. Aber ich war nicht bereit, mein Herzenspferd gehen zu lassen. Und ich sah Nantje an, dass auch sie ihren Kampf noch nicht beendet hatte. Ich überzeugte den Tierarzt, uns noch drei Wochen Zeit zu geben – sollte es ihr dann immer noch nicht besser gehen, würden wir sie erlösen.
Meine Mutter hörte von einer Therapie mit Blutegeln, die angeblich bei Arthrose helfen solle. Wir waren etwas skeptisch, aber wir wussten, dass dies unsere letzte Chance war. Wir setzten also Blutegel bei ihr an – und das Ergebnis war unglaublich. Bereits nach einer Behandlung konnte Nantje ihr Bein wieder aufsetzen. Zwar war sie etwas wackelig auf den Beinen, aber immerhin konnte sie laufen. Wir wendeten die Therapie insgesamt dreimal an, immer mit wenigen Wochen Abstand zwischen den einzelnen Behandlungen. Mit Hilfe dieser Behandlungen erholte sie sich schnell. Sie war zwar lange nicht mehr so fit wie vorher, aber sie konnte wieder laufen und immerhin ein Leben auf der Weide war für sie wieder möglich. So entrann sie dem Tod ein zweites Mal um Haaresbreite.

Die Situation heute

Mittlerweile haben wir Nantje seit elf Jahren. Im Sommer wird sie 13 Jahre alt und hat somit ihre ursprüngliche Lebenserwartung von fünf Jahren mehr als verdoppelt. Ich bin unglaublich stolz auf meine kleine Kämpferin, die sich zu keinem Zeitpunkt auch nur für einen Moment aufgegeben hat.
Auch wenn ich sie nicht mehr reiten kann, freut es mich jedes mal wieder, wenn ich sehe, wie sehr sie ihr Leben auf der Weide genießt. Jeden Tag kommt sie abends wie ein Ferkel in die Box, weil sie nichts lieber tut, als sich im Matsch zu suhlen.
Was ich aus unserer Geschichte gelernt habe ist vor allem, dass man ein Pferd niemals voreilig aufgeben sollte. Denn meistens sind es diejenigen von denen man es am wenigsten erwarten würde, die einen am meisten überraschen.
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